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Hz. Mowlana (Mevlana)
Mowlana kam am 30. September 1207, 6. Rabi`ul Awwal 604 n.d.H. und dem Lunarkalender, in Balch, einer Stadt, die heute zu Afghanistan gehört, zur Welt.
Sein Vater Muhammad Bahauddin Valad, der aus einer namhaften Gelehrtenfamilie stammte, wurde durch seinen Ehrentitel, Sultan al ’Ulama (Sultan der Gelehrten) bekannt. Die Mutter Mowlanas, Mu’mina Hatun war die Tochter Ruknaddins, des Sultans von Balchs und stammte ebenfalls aus einer angesehenen Familie.
Mowlana hiess eigentlich Muhammad, wie er selber in seinem Werk Masnawi betont hat. Auch wenn er zu Lebzeiten und nach seinem Tod verschiedene Beinamen erhielt wie Hudavandighar, Hunkar, Mowlana (türkisch: Mevlana ), Mowlavi (türkisch: Mevlevi), Scheich, Mollah von Rum oder Rumi, so ist er am meisten als Mowlana (unser geschätzter Herr) Dschelal ed-Din Rumi bekannt . Mowlana wurde zu einem vorbildlichen Vertreter der islamischen Mystik, was der Bildung und den ethischen Übungen unter Anleitung seines Vaters, Sultan der Gelehrten, und dessen Nachfolger Seyyed Burhan addin Muhaqqi Tirmidhi ebenso zu verdanken ist wie dem außergewöhnlichem Einsatz seines Beraters und Freundes Schams. Letzerer bereicherte sein Herz um das Schöne der spirituellen Welt und weihte ihn in die Geheimnisse des Sufismus ein.
Der Geheimnis umwobene Schams Tabrizi hat zweifellos das Leben von Mowlana ernorm beeinflusst. Mowlana fand umgekehrt durch ihn zu der höheren Liebe, nach der er lange in Büchern und Freundschaftskreisen gesucht hat. Diese Entdeckung erfüllte ihn mit Verzückung.
Am Sonntag, dem 17. Dezenmber 1273 ging die Sonne der Gnostik und Liebe, Mowlana, am Himmel der zeitlichen Welt unter und stieg auf liebliche Weise, mit erhelltem lächelnden Gesicht bei Sonnenaufgang am Himmel der Ewigkeit auf. Diese besondere Nacht, in der Mowlana zu seinem Herrn zurückkehrte, wird von seinen Anhängern „die Nacht der Ankunft“ (Schab-i Arus) genannt.
Ganz Konya war in dieser Nacht in tiefe Stille versunken. Es war so still, dass man jeden Atemzug und Seufzer hätte hören können.
Mowlanas Glaube und seine spirituellen Lehren wurden viele Jahre von seinen treuen Schülern und Anhängern in bewundernswerter Hochachtung für ihren Meister und Treue zu ihm Wort für Wort weitergegeben. Diese erstaunliche Bewegung ließ seine Schüler und Anhänger den Mewlewi-Derwisch-Orden auf der Basis der Grundsätze, die Mowlana selber noch festgelegt hatte, gründen.
Es sei gesagt, dass man nicht genug über die vielen verschiedenen Seiten Mowlanas schreiben kann. Wir können daher alle, die ihn näher kennen lernen wollen, nur dazu aufrufen, sich mit der Schönheit seiner ewigen inspirierenden Lehren, die aus seiner tiefen Liebe zu Gott, dem Propheten und der Menschlichkeit hervorgegangen und fest in sein hohes Wissen und seine großartigen Erfahrungen eingebettet sind, vertraut zu machen. Obwohl sein Tod fast 732 Jahre zurückliegt, hielt die Vitalität und Frische seiner Lehren an und setzte sich in die Ewigkeit fort.
Der Malawija
Der Malawija ist ein mystischer Orden, dessen Grundsätze unmittelbar nach dem Tod von Mowlana im Jahre 1273 von dessen Sohn, Sultan Valad niedergeschrieben wurden und um die Zeit seines Enkels Ulu ‚Arif Celebi, zusätzliche Gestaltung erfuhren. . Das Hauptziel dieses mystischen Ordens liegt darin, das Leben Mowlanas und sein Weltbild von Generation zu Generation weiterzugeben. Seine Grundgedanken sind die Achtung des Menschen als edle Kreatur Gottes und die Verinnerlichung des Pfades der Liebe und des Wissens im Menschen.
Sultan Valad hat nicht nur für die Gründung des Mowlavi-Ordens gesorgt sondern auch über das Leben seines Vaters Mowlavi berichtet und dessen Werke wahrheitsgetreu übermittelt und dargelegt. Durch seinen persönlichen Einsatz und seine Reisen hat Sultan Valad erheblich zu der Entwicklung und raschen effektiven Ausdehnung des Malavijas beigetragen. Außerdem hat er dem Mevlevi Sema’ (wörtlich: Hören) die heute noch geltende rituelle Gestalt (’Ayin) verliehen.
Der Mowlavi-Orden verlor nichts von seiner ursprünglichen Disziplin und Inspiration. Im Gegenteil: Er wuchs weiter und verbreitete sich aufgrund seiner starken Botschaft, die die große Liebe Mowlavis zu Gott und Seinem Propheten in den Mittelpunkt rückt sowie allen Menschen mit Verständnis und Respekt begegnet und sie in in den Ozean dieser Liebe aufnimmt .
Mowlavi-Ritus
Melodische Klänge erfüllen die Liebenden mit Freude, denn „sie haben sich an die schönen Stimmen in der spirituellen Welt des „Alast“-Tages (Tag der Erschaffung) gewöhnt und vergessen sich selbst darüber. Wenn immer sie in dieser Welt der Seele eine ähnliche Stimme hören, die der dunkle Körper, weit von der Welt der Spiritualität entfernt, aufgefangen hat, werden sie aus ihrer mystischen Verzückung gerissen und empfinden traurig und in wachsender Leidenschaft Sehnsucht nach dem Genuss, die Stimme des „Alast“-Tages wieder zu hören.“
Mowlana und der Mowlavi-Orden haben zweifelsohne einen wichtigen Einfluss auf Entstehung und Entwicklung der Klassischen Türkischen Musik sowie der Religiösen Musik im Reich der Ottomanen und Türken gehabt. Mowlana begegnete allen zeitgenössischen Künstlern und Musikern respektvoll. Er hat wiederholt in seinen Werken über die Musik geschrieben.
Lassen Sie uns nun versuchen, das Heilige Ritual (Ayin-i Serif) auch bekannt als Mowlavi-Ritual vorzustellen. Es gehört zu dem Kompositionen und Gesangsteilen der „Mukabele-i Serif“ (der Heiligen Wechsel-Rezitation).
Die Anhänger Mowlavis sehen in dem Ayin (der Zeremonie) vor allem das Denken an Gottes Namen (zikr). Diese Zeremonie wurde alle Jahrhunderte hindurch in Mowlavi-Ordenszirkeln als ein solchen Gott-Gedenken gesehen. Der Text eines Ayin stammt vornehmlich aus Werken der persischen Lyrik und den Beyts (Vers aus zwei Halbversen) aus Mowlavis Werken , so aus dem Masnavi, dem Diwani Kabir und aus Ruba’iyyat. Manchmal aber wurden auch aus den Werken anderer Poeten und Anhänger Mowlawis wie Sultan Valad, Ulu Arif Celebi, Aflaki Dede, Seyh Galib, Molla Jami, Seyhi, Semti, Gavsi Dede und Folkloredichtern wie Yunus, entnommen. (Es sollte erwähnt werden, dass man nach Mowlana später mit der Aufnahme türkischer Lyrik in die rituellen Mowlavi-Gesänge begonnen hat)
Jedes „Ayin“-Werk , welches von Mowlavi-Musikern und anderen Komponisten in verschiedenen Tonarten hervorgebracht wurde, lässt sich in vier große Abschnitte einteilen, die sich „Salam“ (Friedensgruß) nennen.
Die längste Form der traditionellen Sufi-Musik ist ein Ayin, welcher mit einer instrumentalen Einleitung, erster „Pashraw“ genannt, beginnt und mit einem vierten „Pashraw“, welcher die Rückkehr zum regulären Teil des Musikstückes herbeiführt, schließt.
„Ayins (Heilige Mowlavi-Riten) sind historische Werke türkischer Musik. Aufgrund ihrer Tonart, ihren rythmischen Schemen und ihrer Modulation, lässt sich kaum eine andere musikalische Form finden, die auf diese beeindruckende Weise in Form eines präzisen Notenwerkes religiöse Gefühle auszudrücken vermag.“
Die rhythmischen Schemen und Modulationen der Ayin-Kompositionen gehorchen bestimmten Regeln.
Der Pashraw des Ayin, der dem Rhytmus-Muster „Dawr-i-Kabir“ gehorcht und generell in zweimal gespielt wird, ist so präzise geschaffen, dass die drei Umdrehungen, die die Derwische bei der dreifachen Kreisbewegung Dawr-i Valadi, auch als „Dawr des Sultan Valads“ bekannt, durchführen und bei denen sie sich jedesmal grüßen, harmonisch auf einander abgestimmt verlaufen.
Der Ayin beruht auf 4 Begrüßungen (Salam). Beim ersten „Salam“ werden im allgemeinen Rhythmisschemen wie „Dawr-i Rawan“, „Agir Doyek“ und „Doyek“ verwendet. Das erste und dritte „Salam“ sind im Vergleich zu den zweiten und vierten verhältnismäßig länger. Das rhytmische Schema des zweiten Salams ist normalerweiser das „Ewfer“-Schema. Die meisten Modulationen erfolgen im vierten „Salam“. Diese Begrüßung beginnt normalerweise im Dawre-i Kabir-Rhythmus. Aber die Intensität der Rhythmusschläge ist bei der vierten Begrüßung relativ verschieden von der während des Pashraws und kommt nur einmal vor. Außer Dawr-i Kabir finden in selteneren Fällen andere Rhytmusschemen wie „Agir Doyek“, „Frankchin“, „Fahte“ oder „Zweifacher Doyek“ Verwendung. Daraus wird dann das Aksak-Rhythmus-Schema entwickelt. Dabei erfolgt zunächst ohne lyrischen Vortrag eine rein instrumentale Melodie, und dann der Gesangvortrag der lyrischen Texte, eingeleitet mit den worten „Ey ki hezar aferin“. Während des Vortrags der lyrischen Texte, welche von Ahmad Eflaki Dede verfasst wurden und die sicherlich in allen Ayins vorkommen, wechselt das rhytmische Schema zum Yuruk-Sema’i-Schema über. An diesem Punkt angelangt, wird der Rhythmus des Ayin schneller, insbesondere in rein instrumentalen Abschnitten. Im 4. „Salam“ gehorcht der Rhythmus immer dem gleichen Schema, nämlich dem „Evfer“-Schema. Dieses besondere „Salam“ ist zugleich der letzte Abschnitt des Gesang- und Sprechteils des Ayin. Er wird auffällig langsam durchgeführt. Der gesamte Ayin schließt mit der Durchführung des letzten Pashraw, welcher im Doyek-Rhythmus komponiert wird und daraufhin folgt das letzte Yuruk Sama’i.
Bei der Komposition von Mevlavi Ayins können alle Tonarten der klassischen türkischen Musik eingesetzt werden. Auch ist stets der Übergang von einer Tonart zur anderen während des ersten Pashraw und dem Wortteil der Ayin möglich. Diese Übergänge und Modulationen verleihen den Ayin seltene Ästhethik und Harmonie.
Da der Gesang vor allen Dingen eine Form des Zikrs (Gott-Gedenkens) während des Sema’ (wörtl.: Hören) darstellt, zählt der Ayin zu den spirtuellen, mystischen Gesängen. Er soll die Gottesliebe in den Herzen entfachen, ja entfalten: in den Herzen der Darsteller, den wirbelnden Derwischen (semazens) , und den lauschenden Zuschauern. Diese Gesänge sollen ihnen zudem Ruhe und Frieden eingeben.
Natürlich sollten Ayins in einem Derwisch-gerechten Stil komponiert werden, nämlich in einem hochgeistigen und Impulse auslösenden Schema. Wir sollten hier Dede Efendi rezitieren. Als er 1832 den Ayin des Bestenigar Rhytmusschemas schuf sagte er:
„Alle Derwisch-Brüder müssen wissen, dass diesem bescheidene Diener (Gottes) die Gnade zuteil wurde, sieben Ayins zu komponieren. Jedoch hatte ich bei der Anordnung und Zusammenstellung der Beyts für den Ayin ständig das Gefühl, dass der verehrte Scheych die Worte der Beyts über meine Zunge, die Zunge eines Mittellosen, brachte. Dies ging so weit, dass ich zu einem kläglichen Armen mit leeren Händen wurde, ohne Einfluss weder auf die Komposition des Ayins noch auf die Wahl der Tonart, und nur den Vorzug und die Erlaubnis seitens unseres Meistes, dem geehrten Mowlana besitzend, der mir die Hand reichte.“
Wie den schönen Worten von Dede zu entnehmen ist, müssen Ayins auf spirituelle Weise und vom Geist eines Kontaktes zu Gott erfüllt, komponiert werden.
Bei der Durchführung der Mevlevi-Ayins im Sema’ (Mevlevi auditiv-visuelle Darstellung) fällt etwas besonderes ins Auge: Im Mevlevi Sema` fehlt die in allen anderen mystischen Zirkeln übliche Lenkung und Beaufsichtigung des Gott-Gedenkens . Der Ayin ist nämlich so sorgfältig komponiert, dass die Teilnehmer keiner Lenkung bedürfen. Dennoch: wenn die Pashraws und die Anfangs- und Endabschnitte der „Salams“ gespielt werden, tritt der Trommler (Kudumzen) ähnlich wie ein Dirigent nach vorne, mischt sich jedoch nicht in den Verlauf der Vorführung ein, so lange dies nicht nötig ist. Mit anderen Worten, im Mevlevi-Orden gibt es – anders als bei den übrigen Orden, keinen Zikr-Leiter, der die Zikr-Rituale unter Kontrolle hält. Das „Zikr“ (Gott-Gedenken) wird vielmehr von der melodischen Komposition des Ayin gelenkt.
Hemmamizade Ismail Dede Efendi, der zu den hervorragendsten Komponisten türkischer Musik gehört, schuf sieben Ayins. Alle diese sind dank ihrer musikalischen und ästhethischen Formen zweifelsohne Meisterwerke. Doch von seinen Ayins ist jener, den er in der Huzzan-Tonart komponierte am beliebtesten. Dieser Ayin ist zugleich ein wertvolles Stück Klassischer Türkischer Musik.
Der vorliegende Ayin wurde von Hafiz Ahmet Çaliþir
in der Hijzakar-Tonart komponiert. Diese Tonart wird wegen ihres melancholischen Charakters normalerweise bei religiöser Musik bevorzugt. Sie fand auch bisher keine Anwendung bei der Komposition eines gesamten Ayins sondern mehr für kleinere Modulationen hier und dort in einigen Ayins Verwendung. Aus diesem besonderen Blickwinkel gesehen, ist der Ayin von Ahmet Çaliþir
eigentlich einzigartig. Er stellt das erste Beispiel in der Hijazkar-Tonart und mit seinem Melodienreichtum, seiner weichen Eleganz und seinem künstlerischen Niveau ein Sonderwerk für traditionelle Ayinformen dar.
Um ein Mevlevi Ayin zu komponieren muss der Musiker nicht nur ein guter Komponist sein, sondern auch genügend Wissen über Mowlanas Leben und Einsicht in seine Philosophie gewonnen haben und die Mohlavi-Tradition und seine Konzepte und Rituale, wie zum Beispiel Sema’, kennen. Außerdem sollte er sich eingehend mit allen vorhandenen Ayin-Kompositionen beschäftigen und diese sorgfältig überprüfen. Wenn er sich auf diese Weise qualifiziert hat, muss der Komponist aus den Werken Mowlanas insbesondere aus dessen Masnavi, Divan-i Kabir und dessen Ruba’iyyat lyrische Worte auswählen, die zu der prosodischen Struktur seiner Komposition passen. Dies muss derartig geschehen, dass die melodischen Klänge mit den Wörtern im Einklang stehen und sich gegenseitig harmonisch ergänzen. Der Komponist muss auf jeden Fall ausreichende Kenntnisse über die geeignete Wahl der Lyrik für den zu komponierenden Ayin besitzen.
Das Mowlavi-Ritual
Sema wird im Volksmund als „Mevlevi-Ayin-Schauspiel“ verstanden. Der wahre Name des Mevlevi Sema-Ayin lautet jedoch Mukabele-i Serife, und ist ein Heiliges Mowlavi-Ritual.
Das Mevlevi-Mukabele (Ritual) wird in einem besonderen Teil des Tekkes (des Derwisch-Klosters durchgeführt. Dieser Teil nennt sich Semachaneh (Sema’-Saal). Im allgemeinen ist es ein abgetrennter Teil des Tekkes. In einem Sema`-Saal gibt es ein zuvvar maksuresi, eine Zuschauertribüne, indem Männer und Frauen getrennt voneinander Platz nehmen. Außerdem ist ein bestimmten Abschnitt des Saalbaus für die Musiker und Ayin-Sänger vorgesehen. Dieser nennt sich Mutribhane (Tribüne der Instrumentalspieler) . Der Saal selber ist, (obwohl der Sema’-raum in Mowlanas Haus, (heute Museum), welches nach Renovierungen auch die Moschee mit einschloss, viereckig war) entweder rund oder achteckig und nennt sich meydan-i-serif – der Edle Platz. Auf diesem bewegen sich die Semazens (die Sema`-Vorführer), wenn sie, von den Musikern und Ayin-Sängern begleitet ihre Umdrehungen vollziehen.
Das Edle Mowlavi-Grüßen (Mowlavi Mukabelesi) wurde zu Lebzeiten des geehrten Mowlana in Form des Sema` in Liebe und Verzückung und frei von Regeln oder Zeremoniellen durchgeführt. Später, insbesonders aufgrund der Bemühungen von Ulu Arif Celebi, wurden eine Reihe von Regeln und zeremoniellen Bräuchen der Durchführung von Mukabele hinzugefügt. Obwohl Mukabele früher nur in den Mowlavi-Zellen durchgeführt wurde, ist es inzwischen zu einem allgemeinen mystischen Ritual geworden, welches an jedem Ort vorgenommen werden kann, vorausgesetzt dass entsprechende Bedingungen erfüllt sind und die ethischen Grundsätze Mowlavis beachtet werden.
Das Mowlavi Mukabele verläuft traditionsgemäß wie folgt:
An dem Tag oder Abend, an dem Mukabale durchgeführt werden soll, betritt der beauftragte Dede den Sema-Saal einige Zeit vor dem Gebetsbeginn . Er hebt den „Sitz“ des Seyhs, ein rot gefärbtes Schafsfell welches mit der Rückseite nach oben auf dem Boden ausgebreitet ist, hoch und legt es sich über die Schulter. Dann geht er zu seiner Ordenszelle und bittet um die Erlaubnis des Scheychs. Dieser erlaubt es ihm in dem er sagt „eyvallah“ (d.h. handle so, so Gott will). Daraufhin ruft der Dede laut, gerichtet an die Derwische: „Nehmt die Gebetswaschung vor und legt das Tennure (langes weißes Gewand) an!“
Dann bringt er, wenn der Mukabele in der Konya Asitane durchgeführt werden soll, das Schafsfell zur Grabstätte Mowlanas und legt es unter die Kuppel genau gegenüber dem Silberschrein und vor Mowlanas Sarkophag. Wenn jedoch das Mukabale in einem Semahane außerhalb von Konya stattfinden soll, legt er das Fell vor die Mihrab (eine Gebäudenische, die den Qibleh, die Richtung zur Kaaba in Mekka zeigt) den Musikern, (die gegenüber der Mihrab sitzen) zugewandt. Daraufhin wird der Azzan, der Gebetrsruf vorgetragen.
Die Derwische , die sich dem Sema anschließen, sind in die Mevlevi-Robe gehüllt. Das weite Gewand halten sie mit der Innenseite nach außen zusammengefaltet unter dem Arm. Sie blicken in Richtung Qibleh (Gebetsrichtung), während sie niederknien und sich bescheiden auf dem Boden niederlassen, um für die Seele Mowlanas die Sure Ihlas dreimal und die Sure Fatiha einmal zu sprechen. Im Sitzen berühren sie mit den Lippen den Kragen des weiten Gewandes (tennure) und streifen es sich über den Kopf. Wenn es an ihrem Körper liegt, zeigt die Außenseite des Stoffes nach innen. Dann erheben sie sich: Sie schnüren die Gürtel, genannt „elifi nemed“ oder „elif-lam“ um ihre Taille und ziehen eine besondere Weste an: die deste-gul. Über ihren Schultern hängt ein schwarzer Übermantel mit weiten Ärmeln, der sich „resim hirkasi“ (Zeremonienmantel) nennt. Ihre rituelle Kleidung wird schließlich durch das Aufsetzen des Sikke, eine konische Kopfbedeckung, vollendet.
Wenn der „Dede“, der den Saal verwaltet, mit lauter Stimme ruf „Buyurun Yahu“ (Kommt herein, bitte!), dann treten alle Dedes und alle anderen die zu dem Ritual eingeladen sind, den Sema-Saal: einer nach dem anderen ohne Beachtung der hierarchischen Reihefolge und wie es sich gerade ergibt. Beim Betreten des Semahane, bleiben sie in der Eingangstür stehen, die Hände über dem Herzen verschränkt , und ihre Füße auf den Boden gestemmt (wobei der Zeh des rechten Fußes leicht über dem Zeh des linken Fußes zu liegen kommt). Sie grüßen indem sie den Körper etwas vorbeugen. Dabei senken sie ihre Köpfe nach rechts, das Gesicht zum Herzen gerichtet. Vom „Sitz“ des Seyh (das Schafsfell) aus nehmen die Derwische ihre Plätze in hierarchischer Anordnung, entsprechend ihrer Erfahrung und ihrer Stellung im Mevlevi-Orden ein und bleiben wartend stehen. Inzwischen nehmen auch die Musiker und Ayin-Sänger im Mutribhane (dem Platz, der speziell für die Musiker im Sema-Saal bestimmt ist) ein. Sie alle warten darauf, dass der Seyh (der Scheych, Prior) den Saal betritt. Dabei verharren sie in der Position, die wir eben beschrieben haben, nämlich mit über dem Herzen verschränkten Händen und die Füße fest auf den Boden gestemmt. Diese besondere Positur, welche den Monotheismus symbolisieren soll, nennt sich Niyaz Vaziyeti – die Positur der Anflehung.
Der Seyh betritt den Sema-Saal in Begleitung des beauftragten Dede , der rechts hinter ihm folgt. Den Zeh des rechten Fußes auf den Zeh des linken setzend, grüßt er die Derwische. Diese beantworten seinen Gruß im Stillen. Der Seyh geht zu seinem „Sitz“ (Bei den Ritualen, die in Koya durchgeführt werden, liegt die Rote Matte (der Sitz ) unter der Kuppel und bleibt dort liegen, ohne dass sie jemand betritt).
Mittlerweile haben alle in dem Semasaal ihren Übermantel umgehängt und gehen auf die Mitte zu. Sie stehen in Reihen und beginnen das Gebet darzubringen, genau in der gleichen Weise, wie es in der Moschee verrichtet wird. Dieser Abschnitt schließt mit der Rezitation der Fatiha-Verlesung durch den Seyh.
Nach Abschluss des Gebetes lösen die Derwische sich aus der Reihe und beginnen ihren neuen Platz einzunehmen, indem sie gleichzeitig ihr Gesicht dem Podest auf dem das Masnavi liegt (Mesnevi-Kursu) zuwenden. Der Seyh oder „Kar-i Mesnevi (d.h. der „Dede“ welcher den Auftrag hat aus dem Masnavi zu lesen) sitzt – mit dem Gesicht in Richtung Qibleh auf seinem Gebetsteppich, der von dem zuständigen Dede, genannt Meydanci unterhalb des Masnavi-Ständers ausgebreitet wurde. Er beginnt die Beyts (Vers aus zwei Halbversen) des Masnavi , die erklärt werden sollen, zu lesen. Direkt nach der Interpretation der jeweiligen Verse, wird von der Musikertribüne aus, eine kurze Passage aus dem Koran rezitiert. Dann folgt durch den Seyh von dessen Sitz aus die Fatiha-Rezitation. Wenn der Seyh sich erhebt, erheben sich auch die Derwische, nachdem sie mit den Lippen den Boden berührt haben. Sie gehen auf ihre Plätze im Semahane, rechts von der Qibleh. Wenn keine Erklärung zum Masnavi erfolgt, was selten vorkommt, dann nehmen die Derwische sofort nach der Verrichtung des Gebetes ihre Plätze ein. Dann wird , während der Seyh auf dem Schafsfell Platz genommen hat, das Bittgebet gesprochen.
Alle „Ayins“ die mystische Orden durchführen, beginnen mit Grußformeln (salawat) an den Edlen Propheten, um der Liebe und Hochachtung vor ihm Ausdruck zu geben. In den Mevlevi Ayins bestehen sie aus Hymnen oder Litaneien, die Mowlana verfasst hat und die sich Naat-i Mevlana nennen.- Die berühmten Ghazelen Mowlanas, welche wie folgt beginnen : Ya Habiballah, Rasul-i Khalik-i yekta tuyi (O Allah’s Liebling, du bist der Botschafter des einzigartigen und einzigen Schöpfers). wurden von Mustafa Itri Efende, einem der Meisterkomponisten türkischer Musik in der „Rast“-Tonart vertont. Dieses Meisterstück wurde über zwei Jahrhunderte lang in allen Mowlavi-Zentren oder in anderen Derwischklöstern gesungen, wenn immer es angebracht war. Dieses Werk von Itri ist die bekannteste Naat-Komposition und wurde von Abdulhalim Celebi (gestorb. 1679) und Bostan Celebi II (gestorben 1705) für die Rezitation in allen Mevlevi Ayins, vornehmlich für die Improvisation zur Rohrflöte empfohlen.
Während der Naat-Rezitation herrscht vollkommene Stille. Nach der Rezitation, führt der erste Trommler (kudumzenbasi) mehrere Schläge mit zwei Stöcken, die sich zahme nennen, auf der Doppeltrommel aus, um Gottes Anordnung „Sei!“, symbolisch zu vertonen. Daraufhin folgt die Improvisation auf der Flöte, entweder durchgeführt von dem 1. Flötenspieler „neyzenbasi“ oder einem anderen Flötisten, der von dem Neyzenbasi aus der Gruppe ausgewählt wurde. Das nennt sich „post taskim“( was bedeutet: instrumenale Improvisation durchgeführt für den „hohen Posten“) Während der Instrumental-Improvisation richten sich die Übergänge und Modulationen, für die sich der Flötenspieler frei entscheidet, dennoch nach der Tonart der Ayin, der an diesem Tag oder in dieser Nacht durchgeführt werden soll und schließen in derselben Tonart ab. Der erste Doppeltrommelschläger kündigt mit einem einmaligen Trommelschlag den Beginn des Pashraw an. In diesem Augenblick schlagen der Seyh Efendi und die Sema-Darsteller (semazen) kräftig mit den Händen auf den Boden und erheben sich plötzlich. Dies wird Darb-i Jalal
( Schlag der Pracht ) genannt. Die Flötenspieler erheben sich ebenso und nehmen an der Vorführung teil.
Die Sema-Darsteller wenden sich durch Rechtsbewegungen einander zu, während sie auf ihrem Platz stehen bleiben , ihr Gewand ordnend. Der Seyh grüßt, vor dem „hohen Sitz“ stehend durch Bewegungen des Kopfes. Auch die anderen grüßen. Danach dreht sich der Seyh dem Rhythmus des Pashraw gehorchend und setzt sich in Bewegung, indem er erst den rechten Fuß nach vorne setzt und den linken Fuß zurückhält, danach den linken Fuß vorsetzt und den rechten zurückhält. Die Semazens stehen zur Seite, mit dem Gesicht zur Mitte, drehen sich nach rechts und beginnen in der gleichen Weise vorwärts zu schreiten. Der Derwisch, der dem Seyh folgt und sich „semazenbasi“, Haupt-Sema-Darsteller oder Meister des Sema nennt, stellt seine Füße eng zusammen, wenn er die Stelle vor dem „hohen Sitz“ erreicht und folgt mit einer Bewegung seines rechten Fußes der imaginären Trennlinie zwischen dem „hohen Sitz “ und der Tribüne der Musiker , eine Linie die nur vom Seyh überschritten werden darf. Der erste Semazen, wendet sich wieder in die gleiche Richtung aus der er gekommen ist, ohne dem „hohen Posten“ den Rücken zuzukehren, und wartet: die Füße fest aneinander gepresst. Unterdessen nähert sich auch der nächste Semazen dem „hohen Posten“. Auch er hält seine Füsse zusammengepresst. Vor dem „hohen Posten“ blicken die beiden Derwische einander ins Gesicht. Ihre Augen liegen einander gegenüber und ihre Blicke sind auf die Stelle zwischen den Augenbrauen fixiert. Dann schieben sie ihre rechte Hand unter ihr Gewand, legen sie auf das Herz und grüßen einander. Wenn die Person zur rechten Seite des „hohen Postens“ dann, ohne dem Sama-Saal den Rücken zuzukehren, beginnt, nach rechts weiter zu schreiten, folgen ihm die anderen Semazen auf die gleiche Weise und führen die gleiche Bewegung durch. In der gleichen Form begrüßen sich auch die anderen Semazens. Das wird „cemal Seyri“ („das Gesicht schauen“ ) oder „cemal cemale gelmek (sich zu Gesicht bekommen) genannt.
Beim Passieren der imaginären Trennlinie vor dem „hohen Posten“ , welche den Sema-Saal in zwei Teile trennt, pressen die Semazens ihre Füße gegeneinander und schreiten danach weiter ohne sich gegenüberzutreten. Wenn ein Sema in einem Sema-Saal stattfindet in dem eine Grabstätte liegt, so beugen die Semazens zum Zeichen der Achtung und des Grußes den Kopf, wenn sie an dem Grab vorbeikommen. Hat der Seyh einen Rundgang vollendet und steht er wieder vor dem „ranghohen Posten“ trifft er mit dem einfachsten Derwisch zusammen. Mit anderer Worten: Der Seyh, der ja die größte Erfahrung besitzt, begegnet dem Derwisch, der keinerlei Erfahrung und Rang aufweisen kann. Dieses Ritual der Umschreitung vollzieht sich dreimal auf dieser Weise. Das dreimalige Rundschreiten im Sema-Saal in gemessenen bescheidenen Schritten nennt sich „devri veledi“ (der Kreis des Sultan Valad). Das Spiel der Musiker wird abgebrochen, wenn der Rundgang der Derwische zu Ende ist. Sollte der Pashraw zu Ende sein, bevor der Rundgang vollendet ist, wird ersterer erneut gespielt.
Beim dritten Rundgang des letzten Semazen in der Reihe grüßt dieser den Seyh, geht aber, ohne einzuhalten, weiter. Sobald er den letzten Platz in der Reihe erreicht hat, nimmt der Seyh seinen ranghöheren Platz ein. Der erste Trommler schlägt mehrere Male kräftig mit seinen Stöcken die Doppeltrommel um anzukündigen dass der Pashraw beendet ist. Auf einem der Instrumente wird eine Improvisation gespielt bis der Seyh auf dem „Rangposten“ Platz genommen hat. In weiteren Quellen war dazu nicht mehr zu erfahren. Außerdem wird Sema auf die gleiche Weise, wie wir bis jetzt beschrieben haben, durchgeführt, was auch von Tugrul Inancer berichtet wird (die gegenseitige Begrüßung der Derwische beim Sultan Valad – Rundgang geschieht in Konya Asitane nicht vor dem „hohen Posten“ sondern vor dem Sarkophag des geehrten Mowlana.) Während des Valad-Rundganges singen alle im Saal ständig leise den Namen Gottes vor sich hin.
Die Ayin-Rezitatoren auf der Musikertribüne stimmen, sobald die Improvisation auf der Flöte abgeschlossen ist, unter Instrumentalbegleitung den Ayin an. Alle Semazens, bis auf den Seyh auf seinem ranghohen Platz und den ersten Semazen, der den Sema leitet, legen alle anderen Sema-Darsteller ihren Übermantel ab und jeder legt ihn an die Stelle, auf die er sich niedersetzt. Sie nehmen die entsprechende Haltung (niyaz) für den Sema ein. Nun tritt der Seyh drei Schritte vor seinen „hohen Sitz“ und grüßt durch seine Kopfbewegung, während die anderen auf gleiche Weise grüßen. Der Seyh legt die rechte Hand geöffnet über die linke und der erste Semazen tritt heran, um sich über die Handfläche des Seyh zu beugen. Er berührt diese mit den Lippen, während der Seyh sich herabbeugt um den Sikke (die konische Kopfbedeckung) des Semazen zu küssen. Dem Zeichen des ersten Semazen folgend, welches dieser durch eine Vor- oder Rückwärtsbewegung mit dem rechten Fuß gibt, tritt der nächste Semazen, nachdem er den Seyh auf dieselbe Weise wie der erste Semazen begrüßt hat, drei Schritte vor und beginnt den Sema (die rituelle Wirbelumkreisung).
Die Derwische führen langsame Armbewegungen durch. Sie führen die Hände von Schulterhöhe zum Körper herab, heben sie zu der Kopfbedeckung hoch und bringen sie wieder auf Schulterhöhe. Die Innenfläche der rechten Hand zeigt nach oben und die der linken Hand nach unten. In dieser Haltung führen sie ihre Wirbelumkreisung durch (sema). Auch beugen die Semazens ihren Kopf leicht nach rechts unten und drehen das Gesicht leicht nach links, während sie ihre Augen auf den Daumen ihrer linken Hand gerichtet haben. Wenn der letzte Semazen die Durchführung des Sema in dieser Weise beginnt, grüßt der erste Semazen den Seyh durch eine Kopfverbeugung und geht eine Runde, um den Sema zu prüfen. Aber der Seyh tritt hinter den „Rangposten“ zurück und schaut dem Sema im Stehen zu.
Parallel zu den Worten von Mowlana: „unser linker Fuss bleibt bei der Shari’at (dem Religionsgesetz), während unser rechter Fuß durch (die Länder) von zweiundsiebzig Nationen reist“ wird der linke Fuß des Semazen „direk“ (Stab, Achse) genannt. Der rechte Fuß das „Rad“ dient der Drehung entlang der Bewegungslinie, der Harmonie und der Durchführung des Sema. Da der „Stab“, die Achse, fest in den religiösen Wurzeln (der Schariat) verankert ist, bleibt der linke Fuß immer auf dem Boden und wird nicht gekrümmt. Das „Rad“ , dreht sich nach rechts (um das Herz) , um die „Stabachse“ bis es wieder in seine erste Position gelangt. Daher wird eine volle Umdrehung des Körpers um sich selber auch „Rad“ (cark oder carh) genannt. Unterdessen wird die Drehbewegung der „Achse“, welche ohne den Fuß über den Boden zu schleifen auf der gleichen Stelle vor sich geht, „direk tutmak“ genannt wird (fester Verbleib des Derwischs auf seinem Platz). Bei jeder Umdrehung denkt der Semazen andächtig an den Namen der göttlichen Herrlichkeit (Allah). Der Sema wird in dieser Form bis zum Ende des Salams weitergeführt.
Der Schluss des ersten Salams des Ayin und der Beginn des zweiten ist am Wechsel im rhytmischen Schema der Komposition zu verspüren. Wenn die Semazens diesen Wechsel hören, halten sie ein, das Gesicht zur Mitte des Semasaals, Kutubhane (Bücherschatz) genannt, und grüßen in der ensprechenden Positur, wobei sie sich mit den Schultern in Gruppen von zwei oder drei aneinander lehnen. Wenn dann der Seyh vor den „hohen Posten“ tritt und mit einer Kopfbewegung, grüßen auch die anderen. Der Seyh verliest das Gebet welches zu dem in Frage kommenden Salam gehört und kehrt auf seinen Platz hinter den „Posten“ zurück. Dann grüßen sie alle erneut. Der erste Semazen gehrt zusammen mit den anderen Semazens zur Durchführung des gleichen Sema wie beim ersten Salam, über, allerdings unter Weglassung des Hand- und Sikke-Kusses. Das zweite Salam wird auf gleiche Weise fortgeführt und wenn erneut das rhythmische Schema in der Komposition wechselt, beginnen die Semazens den nächsten, den dritten Salam. Der dritte Salam und der Übergang zu dem vierten gestaltet sich auf die gleiche Weise wie vorher.
Im vierten Salam, bewegen sich die Semazens nicht in Richtung Mitte, sondern führen den Sema durch, indem sie sich am Rande des Saals aufreihen. Die Mitte bleibt leer. Nachdem sich der letzte Semazen dem Sema angeschlossen hat, vollführt jeder von ihnen ohne Rundschreiten den Sema auf seiner eigenen festgelegten Kreislinie, was wie oben gesagt der „direk tutmak“ genannt wird. Auf Aufforderung des ersten Semazen geh jeder Semazen auf seinen entsprechenden Platz. Dann nimmt der erste Semazen selber den Platz zur Linken des Seyh ein und bleibt dort stehen. Der Seyh tritt vor seinen Platz , spricht ein Gebet und beginnt mit der Sema. Er erfasst mit der Linken seinen Übermantel an der rechten Kante in Gürtelhöhe und mit der Rechten den Mantelkragen. Während er den Übermantel etwas öffnet, führt er den Sema durch. Er beugt, wie die Semazens, seinen Kopf leicht zur rechten Schulter herab, wobei er das Gesicht nach links wendet. Während er über die imaginäre Trennlinie wirbelt, nähert er sich der Mitte des Semahane. Im Mittelpunkt angelangt, verbleibt auch er auf derselben Stelle (direk tutmak). Es wird „Rang-Semai“ genannt wenn er langsam im Kreise wirbelt. Der erste Semazen führt in gleicher Weise auf seinem eigenen Platz den „Rang-Semai“ durch.
Sobald der Vokalteil des Ayin beim vierten Salam abgeschlossen ist, beginnen sofort die Instrumentalspieler den letzten Pashraw auszuführen. Wenn die Niyaz-Litanei in der Sega-Tonart zu spielen ist, bringt einer der Instrumentalspieler eine Improvisation anstelle des vorhergehenden Yuruk Semai im 6 Viertel Takt dar und bereitet damit auf den Wechsel zur Segah-Tonart vor. Dann wird die Ilahi-Litanei gespielt, die mit einer weiteren Instrumental-Improvisation abschließt. Während der Schlussimprovisation, beginnt der Seyh, der seine Position in der Mitte beibehalten hat, sich langsam zurück auf seinen „Posten“ zu bewegen. Hat er diesen erreicht, endet die Improvisation. Danach rezitiert von der Musiktribüne aus eine geeignete Person, meistens ein „Hafiz“ (eine Person, die den gesamten Quran im Gedächtnis hat) einen Koranabschnitt. Unterdessen küssen alle Semazens den Boden und sitzen da, während ihre Hände auf den Schultern ruhen und sie den Kopf geneigt halten. Die Semazens, die nicht an der Wirbelumkreisung im letzten Salam teilgenommen haben, legen die Mäntel über die Schultern jener Semazens, welche diesen Sema durchgeführt haben. Sie alle setzen sich auf ihren normalen Platz und hören andächtig dem Koran zu.
Bald nach der Koranrezitation, ruft der Duaci Dede oder Duagu Dede (der Dede, der die Gebete spricht) auf einem geeigneten Platz links vom Seyh sitzend zuerst die Worte zum Takbir (Gott ist Größer) und die Grüße an den Propheten aus und bittet alle, die Fatiha zu sprechen. Die Teilnehmer tun dies im Stillen. Danach erheben sich alle Semazens zusammen mit dem Seyh, der von seinem „Rangposten“ aus das besondere Gebet, genannt Gulbank, ein Gebet das nur bei den Mevlevis gesprochen wird, spricht. Dieses Gebet endet mit den Worten „hu diyelim“ lass uns „hu“ (Er) sagen. Dann sagen alle Musikspieler und Semazen gemeinsam einstimmig und laut „HU“. Wenn der Seyh seinen Platz verlässt und alle laut grüßt, erwidert der erste Semazen seinen Gruß lauter und erweitert ihn um „HU“. Die Semazens grüßen auf die gleiche Weise. Der Seyh schreitet zur Tür gegenüber dem „hohen Platz“. Wenn er das Zentrum erreicht, beginnt er erneut zu grüßen. Sein Gruß wird diesmal von dem ersten Doppeltrommelspieler und dem ersten Flötisten beantwortet. Die Musiker und der Seyh begrüßen sich gegenseitig, wenn er den Ausgang erreicht hat und sich zum „Rangposten“ dreht. Nachdem der Seyh den Saal verlassen hat, gehen auch die anderen aus dem Saal heraus, wo bei jeder von ihnen in Richtung „hoher Posten“ grüßt. (Wird der Sema in einem Semahane durchgeführt wird, in dem Gräber liegen, sprechen sie erst beim Aufstehen die Fatihah und dann das Bulbank-Gebet.
The Mevlevi-Mukabele (Ritual) endet sofort nachdem der beauftragte Dede den „Hohen Sitz“ (die rote Schafsfellmatte) vom Boden nimmt und zusammenfaltet.
Außerhalb von Istanbul sind die Mevlevirituale nach dem Freitagsebet in den Derwischklöstern üblich gewesen. In Istanbul fanden sie an bestimmten Tagen in den fünf Mevlevi-Sälen statt. Freitags und Dienstags im Galata, Samstags im Uskudar, Sonntags im Kasimpasa, Montags und Donnerstags im Neikapi und Mittwochs im Besiktas (später Eyup Bahariye). Außerdem wurden die Ayins in besonderen Nächten, bekannt als die Nächte der Auferstehung und zu besonderen Anlässen wie Festen sowie in gesegneten Nächten und bei Zeremonien der Kalifen durchgeführt.
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